LUDWIGSBURG. Musik von Johann Sebastian Bach wird gern in der Vorweihnachtszeit gespielt, aber Dirigent Siegfried Bauer hat als erstes Stück des kurzweiligen Konzertabends die Sinfonia in D-Dur op. 18, Nr. 4 von Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn des Altmeisters, ausgewählt.

Er ist bekannt als der Londoner oder Mailänder Bach und hatte großen Einfluss auf den jungen Wolfgang Amadé Mozart. Daher wird auch der Bogen zu Mozarts Sinfonie Nr. 38, ebenfalls in D-Dur, betitelt als die Prager Sinfonie, gespannt. Sie spielt das Kammerorchester am Konzertende und das Publikum kann sich dadurch selbst die deutlichen stilistischen Einflüsse zwischen den beiden Komponisten erhören.

Toller Begleiter für großartige Solistin

Eine reizvolle musikalische Klammer, in deren Mitte Solistin Se-Mi Hwang auf ihrem Marimbafon zeigt, welch großes Talent sie ist: „Jedes Konzert ist für mich besonders“, sagt sie, eine sehr sympathische und zurückhaltende Musikerin. Den Part des Dankens übernehmen aber sehr gern die begeisterten Zuhörer für Se-Mi Hwangs perfektes Spiel mit den vier Schlägeln. Eingesetzt ist das Marimbafon bei Antonio Vivaldis „Winter“ aus den Vier Jahreszeiten. Eigentlich wird die virtuose Violinstimme eben von diesem Streichinstrument gespielt, aber das Marimbafon mit seinem, trotz Holzklangstäben, metallisch kühlem Klang passt perfekt zu Vivaldis Winterbeschreibungen vom Zittern und Frieren im Schnee und Wind.

„Ich wollte etwas Modernes machen mit dem Orchester“, erklärt Dirigent Siegfried Bauer die Wahl des vierten Stücks des Konzertabends. Es ist das „Concerto for Marimba and Strings“ des 1961 geborenen  französischen Komponisten Emmanuel Séjourné, vorgeschlagen hat es Se-Mi Hwang. Die Noten zu beschaffen war nicht so einfach und auch der vorkommende Elf-Achtel-Takt bereitete Bauer vorab etwas Kopfschmerz. Denn das „Concerto Ludwigsburg“ ist ein  Projektorchester, aus verschiedenen Städten und sogar Ländern kommen die Musiker. Zusammen geprobt wird nur einmal und zwar am Tag vor dem Konzert. Eine musikalische Herausforderung, die das Orchester mit Bravour bestanden hat, als wunderbarer Begleiter für eine fantastische Solistin am Marimbafon.

Das noch unbekanntere Stück wiederum erinnert an Filmmusik mit seiner energetischen, emotionalen Ausstrahlung. 2006 als Auftragswerk für den österreichischen Marimbaspieler Bogdan Bacanu komponiert, gehört es inzwischen zum festen Repertoire.

Seit nunmehr zehn Jahren gehört das Orchester zur festen Größe in der Stadt. Es besteht aus ehemaligen Mitgliedern des Jugendsinfonieorchesters Ludwigsburg, Mitgliedern des Sinfonieorchesters Ludwigsburg und weiteren Musikern und Musikstudenten. Dirigent Siegfried Bauer hat die Leitung des Sinfonieorchesters übergeben, aber die Musik lässt ihn zum Glück nicht los – denn sonst wäre die Stadt um einen fabelhaften Genuss ärmer.

Helga Spannhake, LKZ